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China und die Atombombe in Nordkorea PDF Drucken E-Mail

China bleibt im Atomkonflikt mit Nordkorea geduldig

Peking schickt Sonderemissär nach Pjöngjang - Die chinesische Führung läßt ihre Verärgerung nur an kleinen Gesten erkennen

Peking - Die chinesische Führung will über diplomatisches Krisenmanagement die von Pjöngjang aufgekündigten Sechs-Länder-Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm wiederbeleben. Außenminister Li Zhaoxing sprach darüber am Donnerstag mit den neuen Verhandlungsführern der USA und Südkorea in Peking. Zuvor hatte er in Telefongesprächen mit den Außenministern der an den Gesprächen noch teilnehmenden Staaten - USA, Rußland, Japan und Südkorea - seine Bereitschaft versichert, alles zu tun, um die suspendierten Verhandlungen "möglichst schnell" fortzusetzen. "Für China bleibt das Ziel eine atomwaffenfreie, koreanische Halbinsel", erklärte Li. Am Wochenende soll der Leiter der internationalen Abteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, Wang Jiarui, bei der nordkoreanischen Führung vorsprechen. "Wir stehen in regelmäßigem Kontakt zu ihr", sagte Kong Quan. Die von Peking vorbereitete Offensive zur Rückgewinnung Pjöngjangs wird von Washington unterstützt. Die USA schickten ihren Südkorea-Botschafter Christopher Hill als neuen US-Vertreter für die Sechser-Runde nach Peking.

Mit der konzertierten Aktion reagiert China auf den vor einer Woche abrupt erklärten Ausstieg Nordkoreas aus den seit 2003 laufenden Verhandlungen. Pjöngjang hatte zugleich erstmals öffentlich erklärt, bereits Atomwaffen zu besitzen. Bisher läßt die chinesische Führung ihre Verärgerung über diese Erklärung, die "wie ein Erdbeben Nordostasien erschüttert hat" (so die Xinhua-Zeitschrift "Leader"), nur an kleinen Gesten erkennen. Chinesische Medien berichteten gestern mit keinem Wort über den seit Mittwoch in Nordkorea pompös mit Feuerwerk und Tänzen gefeierten 63. Geburtstag des Führers Kim Jong Il.


Allerdings will Pekings Führung von wirtschaftlichen Sanktionen, wie sie in Südkorea diskutiert werden oder von der in den USA angedachten Sperrung nordkoreanischer Konten, wo Gelder aus Drogen- und Waffengeschäften auflaufen, oder von japanischen Ideen, Nordkorea vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen, nichts wissen. Der Sprecher des Außenministeriums, Kong Quan, rief gestern alle Beteiligten auf, die derzeit schwierige Lage nicht noch komplizierter zu machen. "Wir sind gegen die Anwendung von Gewalt und Druck in den internationalen Beziehungen." Es gebe keine Alternative zum Dialog. Für die Fortsetzung der Sechs-Parteien-Gespräche müßten alle "Ernsthaftigkeit, Geduld, Flexibilität aufbringen und einen kühlen Kopf zeigen".

Nordkorea-Experten wie der Forscher Zhang Liangui von der Parteihochschule sehen ihre Führung in Zugzwang und von einer ebenso "verfahrenen wie ernsten Lage herausgefordert". Pjöngjang könne die Bedingungen diktieren: "Wie kann eine atomwaffenfreie Zone noch Ziel der Verhandlungen sein, wenn Nordkorea sich bereits zur Atommacht erklärt hat?" fragte er. Pekings Rolle müsse sich von der eines Vermittlers im Atomstreit zu einer aktiv beteiligten Macht mit eigenem Interesse ändern.

Peking ist politisch einziger Verbündeter des stalinistischen Regimes. Aber als größter Handelspartner besitzt es auch starke wirtschaftliche Hebel. Im Jahr 2004 stieg - neben der Nahrungs- und Energiehilfe - das Handelsvolumen beider Staaten um fast 40 Prozent auf etwa 1,1 Milliarden Euro, davon sind zwei Drittel chinesische Exporte. Allein aus Koreas Nachbarprovinz Jilin wollen chinesische Unternehmen von 2005 an rund 400 Millionen Euro in die Erschließung von Erzbergwerken in Nordkorea investieren. Jilin hatte 2004 bereits eine Million Tonnen Eisenerz im Gegenzug für Stromlieferungen bezogen. Seit 2004 sind auch Investoren aus anderen Provinzen verstärkt in Nordkorea aktiv. Aus China kommen 70 Prozent der Energielieferungen für Nordkorea. Peking setzt darauf, daß Nordkorea selbst weiß, wie stark es China verpflichtet ist.

Quelle: Welt.de

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